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Epitaph des Ratsherrn
Hermann Wolfradt
geb. 1597 - gest. 1655
Das Gemälde mit Beischrift war ursprünglich in einem mehrgeschossigen, vielteiligen Hochaltar angebracht. Dieser Altar wurde spätestens im Rahmen der Umgestaltung der Kirche von 1823-1832 beseitigt. Die Gemälde mit der Inschrift, ursprünglich "im zweiten Geschoß" des Altars, befanden sich noch 1885 "hinter dem neuen Chor" von St. Nikolai.
Der Hochaltar war eine Stifung des Kaufmanns und Ratsherrn Hermann Wolfradt, der am 12. Juni 1597 geboren wurde und am 15. Juli 1655 starb. Im Jahr 1632, während der Besetzung Greifswalds durch die kaiserlich-wallensteinschen Truppen, war Wolfradt aus Lebensgefahr gerettet worden. Bei Androhung der Todesstrafe mußten alle Bürger Greifswalds ihre Waffen, Munition etc. abgeben. Im Keller des Wolfradtschen Hauses - ein gotisches Giebelhaus Markt 11 - wurde jedoch Schießpulver gefunden und Wolfradt sollte sofort hingerichtet werden. Nur durch den beherzten Protest der Bürger und den energischen Einspruch des hochangesehenen Generalsuperindenten von Krakewitz konnte er vor dem Galgen gerettet werden. Wolfradt und seine beiden Ehefrauen Ilsabe Brunst und Barbara Schlichtkrull - letztere hatte er 1635 geheiratet - ließen den Altar als Dank anfertigen.
Der Wolfradtsche Hochaltar war in Wismar in Auftrag gegeben worden. Er war 10 - 11 m hoch, in mehrere Geschosse gegliedert und reich mit Bildern und Schnitzerei ausgestattet. Allein der Transport von Wismar nach Greifswald hat 89 Thaler und 28 ½ Schilling gekostet. Das Hauptbild mit einer Abendmahlsdarstellung befand sich 1885 (nach Pyl) noch im Dom, andere Teile im Stralsunder Museum. Über ihren Verbleib ist nichts bekannt.
Das Epitaph wurde 1828 aus Teilen des um 1650 von Wolfradt gestifteten barocken Hochaltars zusammengestellt. Auf den beiden Tondi (runde Bildtafeln) sind in Ölmalerei auf Kupferblech Hermann Wolfradt und seine beiden Frauen dargestellt. Die beiden geschnitzten und farbig gestalteten Wappen entstammen ebenfalls dem alten Hochaltar.
Die in Fraktur gemalte Inschrift lautet:
„Hermann Wolfradt, Provisor dieser Kirche und von 1640 bis zu seinem Tode 1655 Mitglied des Magistrats. Im Jahre 1631 aus einer Lebensgefahr errettet, ließen er und seine 1ste Ehegenossin Ilsabe Brunst und nach deren Tode seine 2te Gefährtin, Barbara Schlichtkrull, einen Altar in dieser Kirche erbauen. Ihr Werk war 1826 vergangen. Ihr damit vereinigt gewesenes Andenken ist hier dankbar erhalten. 1828.“

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