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Benefizkonzert der Initiative „Schon vergessen“ für einen Gedenkstein für Eckhard Rütz im Greifswalder Dom am 2.3.2007

 

Liebe Freunde!

 

Eine alte Geschichte von zwei Brüdern, Kain und Abel. Sie wachsen zusammen auf. Sie spielen zusammen. Sie gehören zu einer Familie. Sie sind Kinder von Adam und Eva.

Sie werden erwachsen. Ihre Wege trennen sich. Der eine wird Schäfer, der andere Ackerbauer. Beide haben ihr Auskommen.

Es gibt keinen Grund, dass einer dem anderen Leid zufügt!

Keine alte Geschichte:

Eckhard Rütz, aufgewachsen auf dem Brinkhof, dem Armenviertel Greifswalds, liegt im November 2000 neben der Telefonzelle in der Nähe der Mensa.

Eckhard hatte einen schlechten Start im Leben und eine schlechte Prognose. Er lebte kein bürgerliches Leben mit Geldkarte und Auslegware.

Er lebte auf der Straße, auf dem Markt, als Klient in der Wollweberstraße. Er ist auf Hilfe angewiesen.

 

Sie waren drei, die auf den Obdachlosen, den Hilflosen mit Baumstütztpfählen einschlugen. 16, 16 und 21 Jahre. Bis er reglos am Boden lag. Sie waren zu dritt. Sie waren ihm überlegen - körperlich. Charakteristisch für solche Taten ist, dass sie mit dem Rückhalt einer Gruppe geschehen. Und Rückhalt gaben ihnen nicht nur die, die mithalfen, ihn zum Schweigen zu bringen, sondern auch die, die schweigen, die, die an solchen wie Eckhard Rütz und Klaus-Dieter Gericke vorbeigehen und denken: die liegen uns auf der Tasche, die versaufen unsere Steuern.

Es waren drei Täter, die gefasst wurden, aber es waren mehr, die mithalfen. Nicht mit Zaunlatten, aber mit Worten und Beifall, nicht mit Baumstützpfählen, aber mit ihrem schweigenden Einverständnis.

Es sind viel zu viele, die der NPD in MV ihre Stimme und ihre Zustimmung geben.

 

Kain erschlug seinen Bruder Abel, seinen leiblichen Bruder, den Sohn seiner eigenen Mutter.

Kain zerstörte das Paradies ihrer Kindheit.

Kain zerstörte den Traum von der Menschenfamilie.

Es kostet Mühe, zu diesem Traum zurückzukehren. Es kostet Mühe, gegen den Strom zu schwimmen, der Welt nicht ihren Lauf zu lassen, sich einzumischen, wo andere die Karten mischen und verteilen.

Es braucht Mut, sich in den Weg zu stellen, wenn ich nicht sicher bin, wie es ausgeht. Wir brauchen gute Freunde, um an die Veränderbarkeit der Welt zu glauben.

 

Es kostet Mühe, zu dem Traum von einer Menschenfamilie zurückzukehren. Machen wie uns die Mühe.

 

Ich bin dankbar, dass Jugendliche, Schüler und Studenten, E. Rütz aus der Tiefe des Vergessens zurückholen, weil wir es ihm schuldig sind, weil er niemanden hat, der uns wachrüttelt und uns anklagt, die wir zusehen oder wegsehen oder zur Tagesordnung übergehen.

Es ist gut, wenn sein Name: Eckhard Rütz, aufgewachsen auf dem Brinkhof, 42 Jahre, ein hoffnungsvolles, ein elendes Leben, beendet von Menschen, die dieses Leben weggeworfen haben wie eine Verpackung, im Bewusstsein dieser Stadt bleibt.

Es wäre gut, wenn dieser Name uns daran erinnert, dass jedem Menschen seine Würde gegeben ist, aber es dabei nicht bleiben kann. Jeder Mensch ist aufgerufen, aktiv für die Würde eines anderen zu leben.

 

Matthias Gürtler

 


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