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Aus der Geschichte der Mariendarstellungen

 

Maria wurde im Christentum als Mittlerin zwischen Gläubigen und Gott angesehen. Das zeigt sich auch in den zahlreichen Mariendarstellungen aus allen Jahrhunderten.

So wie sich die Beziehung des Menschen zum Sakralen im Wandel der Epochen veränderte, so veränderte sich auch die Darstellung der Maria in der Bildkunst. Die jeweilige Beziehung des Menschen zum Göttlichen schlägt sich direkt in der Übertragung ins Kunstwerk nieder.

 

In den Werken Byzanz’ und der abendländischen Frühzeit, der frühchristlichen, romanischen und noch in der ersten gotischen Kunst, zeigt sich das Marienbild als Kultbild mit einer bezwingenden Erhabenheit und majestätischer Strenge im Ausdruck. Die Anlage der Komposition und die Ausführung wurde nicht als Ausdruck freier Künstlerschaft angesehen, sondern als Abbild eines göttlichen Urgrundes betrachtet:

Der Legende nach sind die ersten Ikonen und Bilder Mariens auf übernatürliche Weise entstanden. Sie wurden, so hieß es, vom Evangelisten Lukas gemalt, oder von der Madonna selbst oder doch zumindest von ihr vollendet. Dieses Urbild durfte der Mensch nicht ändern, denn das hätte geheißen, sich vom göttlichen Urbild abzuwenden.

 

In der und durch die Verehrung des Bildes fand der Mensch den direkten Zugang zum Sakralen.

 

Dem Kultbild folgte das Andachtsbild.

Charakteristisch für das Andachtsbild ist die direkte persönliche Bezogenheit und Zwiesprache des Menschen mit dem Göttlichen. Anders als das Kultbild, rückt das Andachtsbild die persönliche Erfahrung des Gläubigen, seine menschliche Berührtheit, sein Mitleiden in den Vordergrund - es rührt den Menschen in seinen spontanen Gefühlen. Seit der frühen Gotik kommt im Andachtsbild ein neues Selbstverständnis des Gläubigen in seinem Streben zu Gott zum Ausdruck. Es ist Zeichen persönlicher Zwiesprache des Menschen mit Gott.

 

Das Mittelalter sieht die äußere Schönheit als Abglanz göttlicher Weltenharmonie, und so erhebt und befreit sie den Menschen. Im gleichen Atemzug aber ist das Dunkle und Schmerzvolle der christlichen Passion, sinnbildhaft für das Leiden des Menschen, in die Andacht einbezogen.

Das Bild als Sprachform der Seele soll den Gläubigen im Miterleben des Leidens läutern, erziehen und belehren.

 

Das rein gefühlsmäßige Erleben aber ist individuell geprägt und damit ist im westlichen Andachtsbild auch erstmals der Ausdruck der künstlerischen individuellen Freiheit möglich.

Es findet sich eine große Vielfalt an Marienthemen:

die Gottesgebärerin, die Gottesmutter, Braut Christi, Himmelskönigin, Sinnbild der Weisheit auf Salomons Thron, und, in Beziehung zur Sophia, dessen Nachfolgerin in der Weisheit der Schöpfung, sie ist schlichte demütige Magd,

sie breitet ihren Mantel schützend über ihre Gläubigen, sie ist Mutter und Schmerzensmutter in einem.

 

Der große Einfluss der Kunst auf den Menschen als dessen ureigenstes Ausdrucksmittel hat in Fragen des Bilderstreites immer wieder Anlass zu Auseinandersetzungen gegeben. Auch zu sehr heftigen, wie es die wiederkehrenden Bilderstürme in den vergangenen Jahrhunderten zeigten.

Die Heftigkeit des Kampfes zeigt aber auf der Gegenseite, welche Kraft man den Bildern beimaß.

 

Literatur:

Maria. Kunst, Brauchtum und Religion in Bild und Text, Freiburg-Basel-Wien 1997 (zum Teil wörtlich übernommen)

 


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