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Kapelle XVI - Reformationskapelle



Lutherrose im Reformationsfenster:

 

Bis zur romantisch-neugotischen Umgestaltung des Domes durch Giese 1824 - 33 befand sich in dieser Kapelle das Gestühl der Universität, weshalb sie auch als „Akademische Kapelle“ bezeichnet wurde. Die Rubenowtafel war früher hier angebracht.

 

Das „Reformationsfenster“ wurde 1883 anläßlich des 400-jährigen Geburtsjubiläums Martin Luthers von den Bürgern der Stadt gestiftet. Es zeigt den Reformator im mittleren Bild mit seinem Ausspruch auf dem Wormser Reichstag: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir - Amen“.

Rechts von ihm Johannes Bugenhagen, den gebürtigen Pommer, der als „Reformator des Nordens“ gilt und Beichtvater Luthers war.

Links von Luther sein akademischer Mitstreiter Philipp Melanchthon, der schon zu Lebzeiten als „praeceptor germaniae - Lehrer Deutschlands“ bezeichnet wurde und der sich in Greifswald um die Wiedereröffnung der Universität (11. Nov. 1539) nach den Wirren der Reformation verdient gemacht haben soll.

Darunter der Landesherr Herzog Philipp I. von Pommern-Wolgast, der die relativ friedliche Durchsetzung der Reformation in Pommern begünstigt hat.

 

Das in Glasmalerei ausgeführte Fenster wurde von Bernhard in Charlottenburg gefertigt. 1984 wurde es von dem Greifswalder Kunstglaser Kuhl restauriert und hat jetzt außen eine Schutzverglasung aus Klarglas.

 

Kleiner Exkurs zur Reformation in Greifswald

In Greifswald hielt Johannes Knipstrow (1497-1556) in der Nikolaikirche am 16. Juli 1531 die erste evangelische Predigt über "Ungerechtigkeit, die vor Gott gilt (Matth. 5, 20-26)." Die letzte Messe wurde am 1. November des gleichen Jahres gehalten.

Siehe auch: Ücker-Altar




Kapelle XVI: Gesamtansicht


Wechselgestühl

Knipstrow war Prediger in Stralsund. Dort fanden sich bereits seit 1523 deutliche Spuren lutherischer Predigt. In Greifswald war das ganz anders. Unruhen im Jahr 1524 wurden schnell wieder geglättet, was blieb war aber eine verborgene Sympathie für Luther in den Gilden der Handwerker. Die alte kirchliche Ordnung wurde 1525 durch den Sturm auf Kirchen und Klöster zerstört. Aber erst 1531 hatte die Reformation ihren Durchbruch in Greifswald. Die gewählten Ältesten der Zünfte - die sogen. Alterleute der Gewerke - verlangten einen reformatorischen Prediger und man rief Knipstrow aus Stralsund. Auch im Kloster Eldena begann eine Annäherung an die evangelische Bewegung. Im Juni 1535 wurde Johann Knipstrow von Bugenhagen als (General)Superintendent von Pommern Wolgast eingeführt. Ein Freund Melanchtons, Jacob Runge (1527-1595), wurde 1552 Greifswalder Stadtsuperintendent und Professor der Theologie. Mit Runge festigten sich die lutherischen religiösen Vorstellungen in Greifswald. Sein Bildnis hängt gleich neben dem Lutherfenster. Die Bedeutung, die man diesem Mann zumaß, ist noch heute an der Größe des Bildes abzulesen.

 

Die rot gepolsterten Bänke entstammen dem Giese-Friedrichschen Kirchengestühl von 1832, das zwischen Kanzel und Triumphbogen als „Wechselgestühl“ ausgebildet war. Die ersten 3 Reihen waren rot gepolstert und als „Professorengestühl“ der Universität vorbehalten.

 

Siehe auch: Ücker-Altar

 





Philip Melanchthon - Martin Luther - Johannes Bugenhagen



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