Kapelle XIV - Rubenowtafel

 |
 |


Rubenowtafel
|
 |


Ausblick von Kapelle XIII in den Dom
|
 |


Gewölbe
|
Die sogenannte „Rubenowtafel“ ist das älteste und wertvollste Ausstattungsstück, was uns aus dem Mittelalter erhalten geblieben ist und beide Turmabstürze sowie andere Katastrophen überdauert hat.
Das Bild ist 1,50 m hoch und 2,16 m breit, in Temperafarben auf eine Eichenholztafel gemalt, unten angehängt ist eine Schrifttafel mit einem lateinischen Text. Dargestellt sind sieben Professoren in ihren talarartigen Ornaten, davor ein - seiner geringeren Bedeutung entsprechend klein dargestellter - Pedell, der das Szepter der Universität in der Hand hält, sowie ein Spruchband, auf dem in lateinischer Schrift steht:“Bitte mit frommer Stimme für uns, Heilige Maria.“ Zwischen den Figuren hindurch schlingen sich Spruchbänder, die - ebenfalls in lateinischer Sprache - Namen und Titel der einzelnen Professoren angeben. Dahinter schwebt in einer goldenen Gloriole die Mutter Maria mit dem Christuskind auf dem Arm.
Der Greifswalder Kunsthistoriker Prof. Nikolaus Zaske schreibt dazu im Domheft: „Das Kompositionsschema wurde Heiligenszenen entliehen, doch dient es hier einem weltlichen Thema. Es war damals unüblich, Gelehrte, sofern die Kirche sie nicht kanonisiert hatte, allein wegen ihrer beruflichen Tüchtigkeit und ihres bürgerlichen Ansehens in dieser Weise auf Bildern festzuhalten, zu einer Zeit, als Bilder kultisch verehrt wurden. Mit der Tafel des Heinrich Rubenow kündigten sich ein neues Selbstbewußtsein und eine veränderte Weltorn.“
Der Kunsthistoriker Paatz bezeichnet dieses Bild als ältestes erhaltenes monumentales Gruppenbildnis mit Ganzfiguren im deutssprachigen Raum und zugleich als „ein Denkmal deutschen Professorentums an der Wende vom Mittelalter zum Humanismus“.
Heinrich Rubenow, links auf dem Bild dargestellt, war der 1. Bürgermeister der Stadt Greifswald und gilt als Gründer der Universität, die vornehmlich durch sein Betreiben im Oktober 1456 durch den Landesfürsten Herzog Wartislaw IX. eröffnet wurde. Das Gründungszeremonieell, dessen wesentlicher Kern das Eröffnen und Verlesen der päpstlichen Bulle gewesen sein dürfte, fand im Greifswalder Dom statt. Heinrich Rubenow, Doktor beider Rechte (kirchliches und weltliches Recht), wurde zum ersten Rektor gewählt. Als das Bild 1460 von ihm in Auftrag gegeben wurde, lebten seine Wegbegleiter und Gründungskollegen, die ehemalige Rostocker Professoren waren, schon nicht mehr. In der Schrifttafel unter dem Bild - in der Ich-Form verfaßt - werden sie vom Stifter Rubenow als - Lichter der Welt, die beredt und tiefen Geistes waren, deren Gleiche die Welt heute kaum hat - bezeichnet.
Rubenow überlebte seine beiden letzten Kollegen, die 1460 starben aber auch nur um 2 Jahre. Er wurde in der Silvesternacht des Jahres 1462 in der Kanzlei (Scriveryge) erschlagen. Seine Ermordung hängt aber wohl weniger mit seiner Tätigkeit als Rektor der Universität, als mit seinem Bürgermeisteramt zusammen. Bedeutende und machtbewußte Leute, dazu kann man Rubenow fraglos zählen, haben meistens eben nicht nur Freunde und Mord aus politischen Motiven hat es zu allen Zeiten gegeben.
Siehe auch: Rubenowtafel

Zur Übersicht
Zur Kapelle XV 
|