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Grabplatten im Dom St. Nikolai






Grabplatte vor Kappelle XIII


Nördl. Beichtkapelle: Stormer-Dersekow

 

 

Bestattungen in Kirchen waren zunächst ein Privileg der Geistlichkeit und des Adels. Allmählich drängten aber auch die begüterten Schichten des Bürgertums danach, ihre Toten unter dem Fußboden ihrer Pfarrkirche, unter Grabplatten, in den Kapellen, die teilweise zu Familienbegräbnissen ausgebaut wurden, beizusetzen. Die älteste Grabplatte Pommerns mit der Jahreszahl 1296 befindet sich heute im Hauptgebäude der Universität. Ihr folgt zeitlich eine Grabplatte der Marienkirche von 1300.

 

Die Regellosigkeit, mit der die Grabplatten im Fußboden der Seitenschiffe, Kapellen und der Turmhalle liegen, ist eine Folge der Umbauarbeiten während des 19. und 20. Jhs. Zuvor waren sie in mehr oder weniger geordneten Reihen über den zugehörigen Grabstellen in den Boden eingelassen. Durch die Einstellung der Kirchenbestattungen zu jener Zeit funktionslos geworden, dienten sie fortan nur noch als Fußbodenplatten, wurden zu Stufen und anderen Bauteilen umgearbeitet oder gingen verloren. In ihrer ursprünglichen Lage befindet sich bis heute die Grabplatte für den Greifswalder Propst Lorenz Bokholt († 1501) in der südlichen Beichtkapelle (1). Hier ist auch noch ein zeitgenössischer Ziegelfußboden erhalten. Ebenfalls an ihrem ursprünglichen Ort liegt auch die Grabplatte für die Kanoniker Johannes Stormer († 1375) und Ludolf Dersekow in der nördlichen Beichtkapelle (2). Insgesamt sind heute noch mehr als 300 Grabplatten und Fragmente vorhanden, von denen die älteste datierte die Jahreszahl 1303 trägt (3).

 

Häufiger Besitzerwechsel hat dazu geführt, dass sich auf vielen Grabplatten mehrere Inschriften befinden. Die ältesten von ihnen sind in gotischer Majuskel ausgeführt. Um die Mitte des 14. Jh. verbreitete sich die gitterartig wirkende gotische Minuskel. Im 16. Jh. kamen Kapitalis- sowie Frakturschrift hinzu. Die Sprache der Inschriften war lange Zeit allein das Latein.

 

Die ältesten, an den Außenseiten der Grabplatten umlaufenden Inschriften, mit Eckrosetten oder Medaillons mit den Evangelistensymbolen, bezeugen Namen und Sterbetag, Ämter und Verdienste der Bestatteten, gefolgt von einer Fürbitte für deren Seelenheil. Im Innenfeld solcher Grabplatten wurde das Wappen, manchmal auch die lebensgroße figürliche Darstellung der Verstorbenen angebracht. Außer für J. Stormer und L. Dersekow (2) gibt es figürlich gestaltete Grabplatten noch für Gottfried Wegezin (4), Johannes Nienkerken (5), Heinrich Bukow (6) sowie für die beiden Äbte von Eldena Johannes Rotermund (7) und Hartwich (8), die aber erst im 17. Jh. in die Nikolaikirche gelangten. Daneben kommen kreisförmige Inschriften vor, die zumeist nur die Grabstätte einer Person oder den Besitzer der Platte bezeugen. Einige Grabplatten wiesen auch Auflagen aus Bronze oder Messing auf. Erhalten hat sich nur eine Platte für Joachim Stephani (um 1620, 9).

 

Im Verlauf des 15. Jh. kam das Niederdeutsche als Inschriftensprache auf. Es wurde allmählich vorherrschend, ohne das Latein vollständig abzulösen. Dieses blieb auch noch in Gebrauch, als das Niederdeutsche seit dem 18. Jh. allmählich dem Hochdeutschen weichen musste. Nach der Reformation wurden aufwendigere Grabinschriften nur noch besonders verdienstvollen Personen, wie dem Superintendenten Jakob Runge († 1595), gewidmet (10). Die Mehrzahl der jüngeren Inschriften besteht lediglich aus einem querlaufenden Besitzvermerk.

Jürgen Herold


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