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Umschrift in der Bet- und Professorenglocke von 1440

Geschichte des Geläuts St. Nikolai

 

1. Betglocke von 1440, gegossen von Rickert de Monkehagen

- Ertönte seit der Stiftung der Universität Greifswald (16.10.1456) zu allen akademischen Feierlichkeiten und wird Bet- und Professorenglocke genannt; ist als einzige Glocke vom mittelalterlichen Altbestand des Geläuts erhalten.

Läutet zu den hohen Feiertagen allein vor und bildet danach das Fundament des Plenums, Schlagton c1.

 

2. St. Nikolausglocke, auch Apostelglocke

- 1568 von der Werkstatt Johannes de Borck gegossen.

Die Glocke war wegen ihres schönen Klangs berühmt. Durch Anschlagen an den Glockenstuhl zersprang sie am 7. Februar 1755 und wurde 1856 umgegossen.

Im zukünftigen Geläut von St. Nikolai übernimmt die noch zu gießende Sonntagsglocke (Dominica) ihre Aufgabe als Grundlage des Geläuts, Schlagton es1.

 

3. Rufglocke, auch Meßglocke

- wahrscheinlich auch von 1440, wurde 1856 umgegossen

An die Stelle der Meßglocke, die in früheren Zeiten für die Gottesdienste der Woche bestimmt war, wird im zukünftigen Geläut die noch zu gießende Gebetsglocke treten.

Sie wird zum Vaterunser im Gottesdienst läuten und ist als Grundglocke für ein kleineres Geläut zu Andachten und Amtshandlungen gedacht, Schlagton as1.

 

4. Sog. Oktavenglocke, ohne Inschrift, aus dem Mittelalter

- wurde 1856 umgegossen

 

5. Kindtaufglocke

- 1615 von Dinnies Droyse aus Greifswald gegossen

Wurde 1951 an die Gemeinde Bergholz/Löcknitz ausgeliehen, da diese Gemeinde ihre drei Glocken im 2. Weltkrieg verloren hatte; kehrt in 2006 nach Greifswald zurück und übernimmt wieder die Aufgaben einer Taufglocke im zukünftigen Geläut, Schlagton es2.

 

6. sog. Franziskanerglocke

- Glocke aus dem Franziskanerkloster aus dem 14. Jahrhundert, wahrscheinlich die älteste Glocke in Greifswald

Wurde 1790 nach Abriß des Franziskanerklosters in die Laterne des Turms der St. Nikolaikirche als Stundenglocke gehängt. War im 2. Weltkrieg bereits zur Einschmelze registriert, wurde aber vor diesem Schicksal bewahrt und konnte mit Spenden restauriert werden. Seit dem 20. März 2005 läutet diese Glocke wieder. Gemäß der in Norddeutschland zahlreich überlieferten Geläutestrukturen tritt sie an die Stelle der an St. Nikolai nicht mehr vorhandenen Zeichen- oder Klingeglocke, d.h. sie dient als Vorläuteglocke vor dem Einsatz der für den jeweiligen Gottesdienst vorgesehenen großen Glocken, Schlagton f2.

 

 

7. Viertelschlagglocke

- neueren Ursprungs

Wurde im 1. Weltkrieg vernichtet und 1918 durch eine Eisenhartglocke ersetzt, die wahrscheinlich verschrottet wurde.

 

Zu Beginn des 19. Jh. gab es Überlegungen, die 2. Glocke umgießen zu lassen, um den häufigen Gebrauch der großen Glocke zu unterbinden und den Glockenstuhl zu entlasten.

Um 1855 wurden die Nikolaus- und die Meßglocke zu drei neuen Glocken umgegossen. Da das Ergebnis nicht zufriedenstellend war, sollten vier neue Glocken gegossen werden, dafür aber die Bet- und Professorenglocke eingeschmolzen werden (mit der Begründung, diese sei klanglich schwer einzubinden). 1863 konnte dieses verheerende Vorhaben auch aufgrund des Wunsches eines Teils des Publikums verhindert werden.

Im 1. Weltkrieg wurden die Nikolaus- und die kleine Oktavenglocke vernichtet. Die Rufglocke von 1863 wurde wegen ihrer besonderen Klangschönheit verschont wie auch die Bet- und Professorenglocke wegen ihres hohen Alters und ihrer herausragenden Klangqualität.

1918 wurde erneut eine Viertelschlagglocke für die Turmlaterne beschafft, die inzwischen wieder entfernt ist.

1927 gab es erneute Überlegungen zum Wiederaufbau des Geläuts: 1930 lieferte die Firma Gebr. Ulrich drei neue Glocken – eine Gedenkglocke, eine Rufglocke und eine Dankglocke. Alle drei Glocken fielen dem 2. Weltkrieg zum Opfer. Eingezogen und nach Hamburg auf den sogenannten Glockenfriedhof verbracht wurde auch die Kindtaufglocke von 1615.

1951 wurde eine ostdeutsche Leihglocke aus dem Jahre 1727 aus Alt-Järshagen bei Rügenwalde zugewiesen. Im gleichen Jahr lieh St. Nikolai die inzwischen unbeschadet zurückgekehrte Kindtaufglocke von 1615 nach Bergholz/Löcknitz aus. Die Rügenwalder Glocke von 1727 wurde am 17. Juni 2005 an die Gemeinde Neuenkirchen weitergeben, die diese zwischenzeitlich bis zum Aufbau eines eigenen Geläuts nutzt.

1977 erfolgte ein Zuguß von zwei Glocken durch die Firma Schilling/Apolda.

In Verbindung mit der Bet- und Professorenglocke kam es zu einer unbefriedigenden Disposition eines verminderten Dreiklangs aufgrund der Fehlbestimmung des Schlagtons der Bet- und Professorenglocke durch einen beratenden Kirchenmusiker aus Erfurt. Die kleinere dieser Glocken wurde im Zuge der Überplanungen für das neue Geläut nach Barth verkauft, die zweite Glocke steht zum Verkauf an (siehe: Link Neues Geläut).

An die Stelle der alten Rufglocke, deren liturgische Funktion bisher unklar ist, wird zukünftig die noch zu gießende Sterbeglocke zu Trauergottesdiensten läuten, Schlagton b1.

Die siebte Glocke im zukünftigen Geläut wird als Sakramentsglocke zur Einsetzung des Abendmahls läuten. Diese kleine Glocke wird auf c2 gestimmt werden und hat keine Vorgängerin.

 

 

 

 

(Quelle: unveröffentlichtes Manuskript Claus Peter, Glockensachverständiger des Landeskonservators und der Ev. Landeskirche v. Westfalen, ohne Datum)

 

Spenden für das neue Geläut

 


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